»Youtube ist die größte Social Media-Plattform der Welt.« Mit dieser Behauptung provozieren Youtuber gerne im Kreise von Social Media-Managern. Ob das stimmt, hängt von den Kennzahlen ab, auf die man fokussiert, aber jeder von uns schon Videos aufgerufen, die auf Youtube gehostet werden. Das tun sogar Internetnutzer, die einen weiten Bogen um Facebook oder Twitter machen. Und der eine oder andere hat sicher schon die Kommentar- oder Empfehlungsfunktion unter den Videos benutzt.

Hohe Akzeptanz, hoher Aufwand

Internet-Video hat eine hohe Akzeptanz und erfüllt hervorragend verschiedene Aufgaben von PR und Marketing, über Lehre und Unterhaltung bis zu Dokumentation und Journalismus. Es wäre ein idealer Kommunikationskanal, wenn der Produktionsaufwand nicht so hoch wäre. Professionelle Texte und Fotos für Blogs und Websites sind nicht leicht herzustellen, Video ist noch mal eine ganz andere Liga. Doch das ändert sich langsam.

Neue Sehgewohnheiten, preisgünstige Technik

Während der Image-Film, mit dem sich eine Firma auf ihrer Homepage im besten Licht präsentieren möchte, immer noch höchste Ansprüche an Know-how und Technik stellt, kann an anderen Stellen der Unternehmenskommunikation ein schnell aus der Hand gedrehtes Video große Wirkung entfalten. Unsere Sehgewohnheiten haben sich durch Youtube stark verändert, wir sind leichte Wackler und Unschärfen, available light und schwankende Tonqualität gewohnt. Wir wissen, dass wir von einem Video-Blog nicht die gleiche Bild- und Tonqualität erwarten können, wie von einer TV-Produktion. Das bedeutet: Zwischen dem aus der Hüfte geschossenen Handy-Video und dem Kinofilm ist viel Raum für attraktive, wirkungsvolle Bewegtbilder.

Schnell und gut mit One Shot-Technik

Vergangene Woche war ich bei einem Video-Workshop des Journalisten Kai Rüsberg in Herne. Rüsberg kennt das Nachrichtengeschäft seit Jahrzehnten und hat festgestellt, dass der Produktionsaufwand von Videobeiträgen in einem immer schlechteren Verhältnis zu Honorar und Aktualität steht: Für weniger Geld muss schneller geliefert werden. Unter diesen Bedingungen sind für Ü-Wagen und Schnitt keine Ressourcen übrig. Bewegtbild muss also anders hergestellt werden als früher.

Deshalb hat Rüsberg eine Produktionstechnik optimiert, mit der in einem einzigen Take ein sendefähiges Video entsteht. Diese One Shot-Technik kann bereits mit einem Smartphone und einem guten Mikrofon realisiert werden. Wichtiger als die Ausrüstung ist dabei eine gute Vorbereitung auf den Dreh. Wie sind die Laufwege, von wo scheint wann das Licht, wie kommuniziere ich mit einem Interviewpartner? Das alles muss klar sein, wenn man nur einen Versuch hat und auf eine Nachbearbeitung mit Schnitt und Korrekturen verzichten will.

Für Reportage und PR

Wenn es gelingt, hat man ein Ereignis oder ein Interview in Echtzeit produziert und kann es noch vor Ort auf Youtube und die eigene Website laden. Für Unternehmen, die in einem Firmen-Blog ihre Arbeit und ihren Alltag vorstellen, ist das eine beeindruckend preisgünstige und leicht realisierbare Option. Nicht die technische Perfektion, nicht die polierte Oberfläche steht dabei im Vordergrund, sondern die Authentizität.

Geschichten erzählen – jetzt auch im Video

Das Storytelling in der Firmen-PR profitiert von diesem zusätzlichen visuellen Kanal. Wer seine Kunden durch Transparenz binden oder sich das Vertrauen von Interessenten verdienen möchte, kann mit der One Shot-Technik kurze Videos von Produktionsabläufen, Meetings oder Veranstaltungen drehen. Das Interview vom eigenen Messestand geht noch während der Messe online. Weil man ohne aufdringliches Kamerateam auskommt, entstehen tendenziell unverfälschte Eindrücke der Situationen. Solche dokumentarisch anmutenden Takes erzeugen ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und vermitteln dem Betrachter eine Nähe, die mit Text und Fotografie alleine nur schwer herzustellen ist.