Am Freitag war ich auf einer Veranstaltung ohne Hashtag. Das wäre nur halb so tragisch, wenn es nicht das IHK-Handelsforum Ruhr 2017 in Bochum gewesen wäre. Im Mittelpunkt stand mit dem stationären Einzelhandel eine Branche, die viel über Digitalisierung redet, aber gleichzeitig damit fremdelt.

Leitfragen der Veranstalter für diesen Vormittag waren: “Wie gestaltet man die virtureale Reise des Kunden zur Kaufentscheidung möglichst reibungslos? Wie besteht man im Wettbewerb um herausragende Köpfe? Wie bleibt man über Veränderungen in anderen Branchen informiert?” Meiner Erfahrung nach haben alle Antworten darauf etwas mit digitaler Kommunikation zu tun. Das wäre dann auch das Stichwort, um das Smartphone zu zücken und – wie heute bei vielen Kongressen, Messen und Events üblich – los zu twittern: die Welt teilhaben lassen an Einblicken und Learnings, Werbung machen für Gastgeber und Referenten, in direkten Dialog treten mit Menschen, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen können.

Stattdessen blieben die Smartphones artig im Sakko. Nicht, dass noch jemand denkt, man höre nicht aufmerksam zu. Lediglich Gastgeberin G Data Software AG und Speaker Frank Rehme von der gvm GmbH schickten vereinzelte Tweets ab.

Einen Satz wie “Wow, #ihkHaFoRuhr trendet auf Twitter!” wird man also so schnell nicht hören. Das ist schade, denn gerade auf Twitter lesen viele Journalisten mit, die man bei anderer Gelegenheit mit aufwendig gedrechselten Pressemitteilungen umwirbt, die heute aber mehr denn je ungelesen im Mülleimer landen.

Wie kann man Teilnehmer nun dazu ermutigen, auf Social-Media-Plattformen über das Event zu sprechen? Man könnte gleich zu Beginn dazu auffordern und einen oder mehrere Hashtags dazu an die Hand geben, mit denen auf Twitter, Instagram und immer öfter auf Facebook Sichtbarkeit erlangt wird. Wenn ein IHK-Handelsforum Ruhr in der Einladung als “medienöffentlich” angekündigt wird, dann sollte man die Veröffentlichung in Medien auch tatkräftig unterstützen. Leider denken viele Veranstalter bei Medien immer noch an die Tageszeitung und übersehen, dass in Social Media jeder ein Multiplikator, ein Publizist oder Journalist sein kann, der die Inhalte des Events verbreitet. Regelmäßig bereits im Vorfeld kommunizierte Hashtags würden die Interaktion mit einer Veranstaltung selbstverständlicher machen und die Hürde zu aktiver digitaler Teilnahme senken.