„Eine Konferenz zur digitalen Disruption im Großhandel. Man könnte fragen: Warum erst jetzt?“

So begann Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, seinen Impulsvortrag vor den Teilnehmern des 1. Großhandelstages Ruhr in Essen. Dann ergänzte er: „Digitalisierung ist nicht so ganz neu. Leibniz hat die Grundlagen vor 300 Jahren gelegt.“

Vor einem anderen Publikum hätten die Worte des Ministers vielleicht polemisch gewirkt – hier war die Provokation angemessen: Die Veranstalter waren immerhin der Arbeitgeberverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen im Ruhrgebiet (AGAD) und die Industrie-und Handelskammern im Ruhrgebiet. Ein Verband also, in dem Entscheider und Verantwortliche organisiert sind und Institutionen, die der wirtschaftlichen Entwicklung einer ganzen Region verpflichtet sind. Keine Kleinunternehmer, die sich aufgrund mangelnder Ressourcen verständlicherweise schwer tun mit den neuen Herausforderungen.

Digitalisierung – fangen wir doch einfach mit der Kommunikation an

Wie groß die Kluft zwischen Wunsch und Umsetzung der Digitalisierung ist, bewies die Veranstaltung selbst. Im Titel “Digitale Disruption im Großh@ndel” führte sie mit dem @ ein Symbol, mit dem man in 1990er Jahren zeigte, dass man „drin“ ist im Netz. Der #Hashtag hingegen, der außer zeitgemäßer Symbolkraft auch einen ganz handfesten Nutzen für die Veranstaltung gehabt hätte, fehlte mal wieder.

Dabei ist der Mehrwert einer Berichterstattung in den Social Media offensichtlich:

  • Die Veranstaltung war ausverkauft, es gab eine Warteliste: Die Abwesenden hätten an den Talks und Learnings teilhaben können.
  • Werbung für die Aktivität und Modernität der Veranstalter: Gerade die IHK brauchen mehr Akzeptanz bei ihren Beitragszahlern.
  • Direkter Dialog mit der Community: Fragen in den Social Media wurden gestellt, blieben aber unbeantwortet.

Wo waren also die Social-Media-Teams des AGAD und der IHK? Wo war der Hashtag, der dieser als medienöffentlich ausgewiesenen Konferenz große Sichtbarkeit über den Essener Weberplatz hinaus beschert hätte? Allein die über 20 Speaker kumulierten mit ihren Twitter-Accounts mehrere Tausend Follower. Das aktive Bewerben eines Hashtags würde zu mehr Social-Media-Aktivität bei ihnen als auch beim Publikum führen.

Twitter eignet sich zur Veranstaltungs-Berichterstattung

Talk is cheap. Deshalb habe ich der Veranstaltung selbst den Hashtag #ghtruhr17 gegeben und ihn auf Twitter mit Fotos und Zitaten der Referenten bespielt. Dort ist der entsprechende Thread nachzulesen, inklusive einigen Spam-Tweets, die auf ihre Art belegen, dass der Hashtag ordentliche Sichtbarkeit hatte. Auch einer der Konferenzteilnehmer, der Herner Unternehmensentwickler Andreas C. Habicht verwendete ihn und trug zur Verbreitung der Themen auf Twitter bei:

Twitter ist, fürs Protokoll, die Social-Media-Plattform, die sehr beliebt bei Journalisten und Bloggern ist:

Diese und andere Interessierte können dadurch einige Eindrücke von der Veranstaltung bekommen und feststellen, dass die Speaker viele kluge, visionäre und einer Diskussion im besten Sinne würdige Inhalte beigesteuert haben:

Die Zitate in manchen Tweets erzeugten dabei ganz anständige Reichweiten und Interaktionen:

Reichweite und Interaktionen eines Tweets

20 Speaker, 1 Frau: echt jetzt?!

Dass die Referentin Petra Blume die einzige Frau unter über 20 Speakern war, liegt meiner Meinung nach nicht am Thema. Auch im Publikum war der weibliche Anteil eher klein. Bei den zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung, die ich regelmäßig besuche, ist das Geschlechterverhältnis deutlich ausgewogener.

Referentinnen, die auch zu branchenspezifischen Themen der Digitalisierung kompetent sprechen können, finden sich zum Beispiel bei den Digital Media Women, die auch ein Quartier in Köln haben und zur Zeit über eine Gründung in Dortmund nachdenken.

Chancen für den Dialog

Während und nach dem Großhandelstag Ruhr wurde auch Kritik auf Twitter geäußert, auf die mit einem leicht zu realisierenden Social Listening durch die Veranstalter und Referenten reagiert werden könnte:

Die Reichweite allein meiner Berichterstattung auf Twitter lässt erahnen, welche Sichtbarkeit die Themen dieser Konferenz bekommen hätten, wenn ein kleines Social-Media-Team diese und andere Plattformen wie Facebook oder Instagram bespielen würde. Ein Live-Video des Talks von Michael Feindt hätte sicher viele Zuschauer im Netz begeistert:

Großartige Location, toller Service

Nach dieser Kritik an der mangelnden Social-Media-Kommunikation muss ich aber ausdrücklich die gut gewählte Location loben. Die Kreuzeskirche in Essen hat schon mehrere Disruptionen erlebt und ist daraus als inspirierender, vielseitiger Veranstaltungsort hervor gegangen. Auch das Catering war, dank Eintrittsgeld und Sponsoren, solide, und die Veranstaltungstechniker haben die gelegentlichen Tonprobleme schnell behoben. Die Damen und Herren vom Service haben vorbildlich gearbeitet.

Angesichts der Schlange am Kassenautomaten des Parkhauses am Weberplatz nach dem Ende der Konferenz habe ich schon einen Tweet für das nächste Mal in Planung:
Im Parkhaus am Weberplatz gibt es ein Tagesticket für nur 4,50 Euro, das Ihr direkt nach der Einfahrt lösen könnt. #ghtruhr18 #protipp